Perspektivthema »Globale und vernetzte Risiken«

Die Folgen der amerikanischen Immobilienkrise beschränkten sich 2008 nicht auf die USA, sondern führten das Weltfinanzsystem bis kurz vor den Zusammenbruch. Die Auswirkungen des Klimawandels spüren auch Staaten, deren CO2-Ausstoß vorbildlich ist. Ein Virus wie das der Schweinegrippe kann sich innerhalb von Tagen um die ganze Welt verbreiten, und der internationale Terrorismus zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er sich gegen fast jedes Land richten kann.

Die Liste der globalen Risiken, der sich die Staatengemeinschaft heute ausgesetzt sieht, ließe sich fortsetzen. Regierungen, Unternehmen und Gesellschaften erkennen dies immer deutlicher, zumal viele Risiken auch miteinander verknüpft sind - das Zusammenwirken von Energiebedarf, Ressourcenmangel und Klimawandel ist dafür ein augenfälliges Beispiel. Doch die praktische Umsetzung der Erkenntnis von globalen und vernetzten Risiken in konkretes Handeln erweist sich als schwierig.

Angesichts dieser Herausforderungen für die Politik sowohl bei der Risikowahrnehmung und -bewertung als auch beim Risikomanagement und der -kommunikation hat die SWP 2011 mit dem Perspektivthema »Globale und vernetzte Risiken« einen neuen Arbeitsschwerpunkt eingerichtet.

In den kommenden zwei Jahren werden deshalb Problemlagen und Politikfelder besonders unter Beachtung folgender Aspekte untersucht:

Globale Risiken

Obwohl Risiken zunehmend globaler Natur sind und deshalb vor allem auf globaler Ebene angegangen werden müssten, erschweren mehrere Faktoren ein internationales Vorgehen. So wirken sich globale Risiken nicht auf alle Regionen gleichermaßen aus, verschiedene Gesellschaften nehmen Risiken unterschiedlich wahr und bewerten sie anders. Entsprechend unterscheiden sich auch die Akzeptanz und Legitimität von Risikomanagementstrategien, weshalb die jeweiligen Entscheidungsträgerinnen und -träger unterschiedlich reagieren. Gerade in Demokratien bieten außerdem die kurzen Zyklen der Legislaturperioden wenig Anreize für Politikerinnen und Politiker, sich über die akuten Risiken hinaus um eine konsistente und vorsorgende Regulierung zu kümmern. Auf globaler Ebene erschwert die Vielzahl der Akteurinnen und Akteure auch die Risikokommunikation unter den Beteiligten.

Vernetzte Risiken

Da die meisten Risiken heute vernetzt sind, muss Risikomanagement zur gleichen Zeit verschiedene Politikfelder adressieren. Die Erkennung, Bewertung und das Management von Risiken variieren jedoch von Politikfeld zu Politikfeld. Risiken werden unterschiedlich definiert, klassifiziert, systematisiert und kalkuliert. Entsprechend unterschiedlich fällt auch das Risikomanagement in den einzelnen Politikfeldern aus.

Zielsetzung

Bislang gibt es nur wenige international institutionalisierte Risikogovernance-Ansätze. Im Mittelpunkt der Arbeit zu globalen und vernetzten Risiken steht deshalb die Frage, wie unterschiedliche Risiken international effektiver gemanagt werden können. Zur Beantwortung sollen zum einen soziokulturelle Einflüsse auf den Umgang mit Risiken identifiziert werden, die sich etwa durch unterschiedliche Rechtssysteme oder eine unterschiedliche Risikowahrnehmung ergeben. Zum anderen soll ein Vergleich unterschiedlicher Risiken, beziehungsweise Politikfelder (wie zum Beispiel Gesundheitspolitik, Energieversorgung, Sicherheitspolitik, Umweltpolitik, Wirtschafts- und Finanzpolitik) dazu dienen, verschiedene Risikotypen (global, regional und politikfeldübergreifend) und Managementstrategien zu identifizieren.

Auf Basis dieser Ergebnisse können politische Handlungsempfehlungen für noch nicht regulierte Problemfelder und Risiken oder für Reformen bestehender Risikogovernance entwickelt werden. Die Ergebnisse der Forschung werden im Verlauf der kommenden drei Jahre regelmäßig in Produkten der SWP thematisiert, sowie in Kolloquien und anderen Veranstaltungen präsentiert werden.

Literatur

Treffer 1 bis 10 von 18
Anfang | Zurück | 1 2 | Weiter | Ende
Marianne Beisheim (Hg.)

Der »Nexus« Wasser-Energie-Nahrung

Wie mit vernetzten Versorgungsrisiken umgehen?

SWP-Studien 2013/S 11, Mai 2013, 82 Seiten
Max Mutschler

Risiken für die Weltraumnutzung

Herausforderungen und Chancen für die transatlantische Kooperation

SWP-Studien 2013/S 06, März 2013, 21 Seiten
Stephen C. Nelson

Governing Risky and Uncertain Financial Markets

SWP Comments 2012/C 45, Dezember 2012, 8 Seiten
Max Mutschler

Risk Governance and Transatlantic Cooperation in Space

AICGS Issue Brief 43, Washington DC: American Institute for Contemporary German Studies, December 2012
Tim Boersma, Corey Johnson

Risks and Potentials of the Shale Gas Revolution

Consequences for Markets and the Environment

SWP Comments 2012/C 39, Dezember 2012, 8 Seiten
Arno Engel, Lisa Oberländer, Bettina Rudloff

Contingency planning for food crises

A puzzle of existing approaches

Working Papers FG 2, 2012/Nr. 3, November 2012, 23 Seiten
Klaus Günter Deutsch, Amy Medearis

Tackling Macroeconomic Risks

A Case for Stronger Transatlantic Cooperation

SWP Comments 2012/C 33, Oktober 2012, 8 Seiten
Sabine Mair, Stormy-Annika Mildner, Max Mutschler, Wiebke Wodni

Ein Bericht über die SWP-AICGS-Konferenz »Transatlantic Risk Governance: Handling Resource and Economic Risks«

in: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik 2012, 5 (November 2012) 4, S. 675-680
Bettina Rudloff

Telefonieren gegen den Hunger: G20 versagen beim Krisenmanagement

Die G20-Staaten müssen Maßnahmen gegen hohe Agrarpreise koordiniert umsetzen, meint Bettina Rudloff. Die angekündigte Telefonkonferenz ändert nichts, wenn weiter die kurzfristigen Interessen der großen Agrarexporteure dominieren.

Kurz gesagt, August 2012
Annegret Bendiek

Europäische Cybersicherheitspolitik

SWP-Studien 2012/S 15, Juli 2012, 27 Seiten
Treffer 1 bis 10 von 18
Anfang | Zurück | 1 2 | Weiter | Ende

SWP-Aktuell


Pgbreak Test

Pgbreak


Nicole Birtsch
Afghanistans Regierung will den Konflikt mit den Taliban politisch lösen

Das Friedensabkommen mit Hizb-e-Islami ist ein erster Schritt auf dem weiten Weg zum Frieden


SWP-Studien

Alexander Libman
Russische Regionen

Sichere Basis oder Quelle der Instabilität für den Kreml?


Uwe Halbach
Religion und Nation, Kirche und Staat im Südkaukasus