Nicht-staatliches Konfliktmanagement

Möglichkeiten und Grenzen von Nichtregierungsorganisationen im Umgang mit nicht-staatlichen Gewaltakteuren

Projektleiter: Dr. Ulrich Schneckener, Universität Osnabrück
Projektmitarbeiterin: Dr. Claudia Hofmann, Universität Osnabrück/ SWP
Förderzeitraum: 01.08.2008 - 30.04.2011, gefördert durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF)

Abschlussbericht (PDF)

Für die erfolgreiche Bearbeitung aktueller Kriege und Konflikte ist der Umgang mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen von zentraler Bedeutung. Nicht-staatliche Gewaltakteur/innen unterschiedlichen Typs, von Rebell/innen und Milizen über Warlords bis hin zu kriminellen Netzwerken, dominieren heute in vielfältiger Weise das Geschehen während und nach einem bewaffneten Konflikt. Sie haben oftmals das Potential, Prozesse von Peace- und Statebuilding zu stören, zu unterminieren oder gänzlich zum Abbruch zu bringen, so dass es zu einem Wiederaufflammen von Gewalt kommt. Vor diesem Hintergrund gilt es, vorhandene Erfahrungen zur Interaktion mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen systematisch auszuwerten. Das vorliegende Projekt will dazu einen Beitrag leisten und konzentriert sich auf die Rolle von internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) auf diesem Gebiet. NGOs sind in vielfältiger Weise in Krisen- und Konfliktregionen aktiv, teils um humanitäre Dienste zu leisten, teils um zwischen Konfliktparteien zu vermitteln, teils um bestimmte Werte und Normen zu verbreiten. Stets sind sie dabei mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen konfrontiert, müssen sich mit ihnen arrangieren oder suchen den direkten Kontakt, um auf diese Akteur/innen einzuwirken.

Das Forschungsvorhaben untersucht daher folgende Fragestellung: Unter welchen Bedingungen und mit welchen Methoden kann es NGOs gelingen, auf nicht-staatliche Gewaltakteur/innen in der Weise einzuwirken, dass diese ihr Verhalten ändern und ggf. auf die Anwendung von Gewalt verzichten? Inwieweit entstehen dabei Formen des nicht-staatlichen Konfliktmanagements zwischen NGOs und nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen?

Das Projekt wird sich in einer ersten Phase auf die empirische Aufarbeitung der Erfahrungen bestimmter NGOs im Umgang mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen konzentrieren. Es sollen sechs international operierende NGOs mit je einem Erfolgs- und einem Misserfolgsfall untersucht werden, um die oben genannte Fragestellung zu bearbeiten (Carter Center, Center for Humanitarian Dialogue, das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, Geneva Call, die Quäker und Conciliation Resources). Theoretischer Ausgangspunkt für die erste Phase sind Überlegungen zu drei Bereichen, die dazu dienen, das Thema einzugrenzen und zu operationalisieren sowie geeignete Fallbeispiele auszuwählen – erstens zum NGO-Typ, zweitens zu den typischen Strategien und drittens zu erklärungskräftigen Faktoren mit Blick auf Erfolg/Misserfolg.

Um die Fragestellung nach den Möglichkeiten und Grenzen von NGOs zu beantworten, sollen in erster Linie strukturierte Interviews (entlang eines Leitfadens) mit Vertretern der NGOs geführt werden. Die NGO-Perspektive lässt sich außerdem zum einen durch Interviews mit anderen am Konflikt bzw. Friedensprozess beteiligten externen Akteur/innen – Vertreterinnen und Vertretern von IOs und Regierungen – ergänzen und zum anderen durch eine Analyse der Sekundärliteratur zum jeweiligen Konflikt einordnen. Daher werden zu jedem Fall auch ein Akteurs-Mapping und ein process tracing durchgeführt, um insbesondere zu klären, ob es zu einem Zeitpunkt X tatsächlich eine Verhaltensänderung der/des Gewaltakteurs/in gab.

Das Ziel des Forschungsvorhabens ist es, das Potential von NGOs beim Umgang mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen besser zu kennen. Das Projekt erhofft sich verallgemeinerbare Aussagen darüber, unter welchen Bedingungen NGOs relativ erfolgreich auf nicht-staatliche Gewaltakteur/innen einwirken können. Konkret werden Antworten auf folgende, weiterführende Fragen erwartet:

    • Welche komparativen Vorteile besitzen NGOs insbesondere gegenüber staatlichen Akteur/innen oder Internationalen Organisationen?
    • Was sind die Grenzen von NGOs in der Interaktion mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen und welche Risiken bestehen für die NGOs, aber auch für andere am Friedensprozess beteiligte Akteur/innen?
    • Welche Lehren aus den NGO-Erfahrungen können Andere – vor allem Regierungen und Internationale Organisationen – für den Umgang mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen ziehen?

Diese Erkenntnisse dürften auch für Regierungen und Internationale Organisationen von großer Bedeutung sein, die mit NGOs in Konflikt- und Krisenregionen zusammenarbeiten und sich über deren Chancen und Grenzen im Klaren sein sollten. Das Projekt mündet daher in praxisrelevanten Empfehlungen für das Zusammenwirken externer Akteur/innen beim Umgang mit nicht-staatlichen Gewaltakteur/innen.

Antrag an die Deutsche Stiftung Friedensforschung auf Förderung für das Forschungsprojekt:
»Nicht-staatliches Konfliktmanagement - Möglichkeiten und Grenzen von Nichtregierungsorganisationen im Umgang mit nicht-staatlichen Gewaltakteuren«
Antragsteller: Dr. Ulrich Schneckener, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), 22 Seiten

Literatur

Claudia Hofmann

Reasoning with Rebels

International NGOs' Approaches to Engaging Armed Groups

SWP Research Paper 2012/RP 11, September 2012, 28 Seiten

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