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SWP-Aktuell, Juli 2017

Timeline: Drusen im syrischen Konflikt

März 2011 Bashar al-Assad und seine Frau besuchen arme drusische Dörfer und die drusische Stadt Suweida zwei Tage vor Beginn der Revolution. Offiziell wurde der Besuch des Präsidenten mit der Entwicklung eines Projektes in der Region begründet. Eigentliches Ziel des Besuches war indes der Versuch, die Loyalität der Drusen zu sichern.
März 2011 Das Regime geht gegen Aufständische in Daraa vor. Am 27.03.2011 demonstrieren drusische Rechtsanwälte mit einer Sitzblockade vor der Justizgewerkschaft in Suweida. Dies ist die erste zivilgesellschaftliche Aktion der Drusen in Suweida. In den Tagen darauf schließen sich Mediziner, Ingenieure und andere Intellektuelle den Rechtsanwälten an und geben eine Erklärung ab, in der die Regierung aufgefordert wird, die Belagerung von Daraa zu beenden.
Ab 2011 Der drusische Offizier Khaldun Zein ad-Din desertiert aus der Regimearmee und gründet die erste drusische militärische Gruppierung namens „Sultan Pasha al-Atrash Bataillon“. Im Zuge dessen und unter dem Einfluss von Walid Dschumblatt, einem der libanesischen Drusenführer, desertieren 8.500 von 30.000 drusischen Soldaten aus der syrischen Armee.
Ab 2011 Rund 27.000 Drusen weigern sich, in der Armee Assads zu dienen.
Mai 2012 Die Freie Syrische Armee gibt bekannt, dass ein Militärrat für Suweida in Daraa gegründet wird.
21.06.2012 Gründung der „Freien Rechtsanwälte von Suweida“.
Januar 2013 Rebellen der Opposition greifen mit Beteiligung von Khaldun Zein ad-Din einen Stützpunkt des Regimes in Dahr al-Jabal an. Von diesem Stützpunkt aus wurde vor allem Daraa angegriffen. Bei dieser Offensive kommt Khaldun Zein ad-Din ums Leben.
Dezember 2013 Es verbreitet sich die Nachricht, dass 18 drusische Dörfer in der Region Idlib, die sich unter Kontrolle der Nusra-Front befinden, zum sunnitischen Islam konvertiert sind.
2014 Der sogenannte „Islamische Staat“ erobert die nordöstlichen Gebiete der Provinz Suweida und große Bereiche der syrischen Wüste, nachdem das Regime seine Truppen gänzlich aus der Provinz abgezogen hat.
Ab 2015 Die al-Karama Bewegung wird stärker und glaubwürdiger, sie gewinnt sogar internationales Ansehen. Russland und der Iran erwägen, den Drusen in Syrien einen autonomen Status zu verleihen, ähnlich den Kurden in Nordsyrien.
Juni 2015 Kämpfer der Nusra-Front verüben im Dorf Qalb Lawzah in der Provinz Idlib ein Massaker an 24 Drusen. Der Vorfall wird von der Nusra-Front als ein „individueller Fehler“ bezeichnet und die Täter werden verhaftet.
April 2017 Wafiq Nasser (Leiter des Militärgeheimdienstes) hält eine Versammlung in Suweida ab, anwesend sind Regimerepräsentanten, Scheich Hikmat al-Hajri (einer der drei religiösen Führer der syrischen Drusen) und wichtige Persönlichkeiten aus Suweida. Dort wird eine Lösung für das Sicherheitschaos in der Region diskutiert. Nasser forderte alle wichtigen Scheichs und Familienclans auf, Listen mit kriminellen Familienangehörigen an das Regime auszuhändigen. Die Familienclans sollen, in Kooperation mit dem Sicherheitsapparat des Regimes und drusischen Abgeordneten in Suweida, gegen diese Verbrecher vorgehen.
Juni 2017 In einem zweiten Treffen mit Scheich Na´im und anderen wichtigen Persönlichkeiten in Suweida wird ein Dokument vorgelegt, welches den drusischen Familienclans die Möglichkeit der Selbstjustiz garantieren würde. Gefasste Verbrecher und kriminelle Milizangehörige sollen von einer Art Clan-Gericht verurteilt werden können, ohne auf die Rechtsprechung eines staatlichen Gerichtes warten zu müssen. In diesem Falle wären alle Familien an dieser Verurteilung beteiligt, sodass die Betroffenen keine Rache gegen die Richter fordern könnten, wie es früher unter den Drusen üblich war.

SWP-Studien

Alexander Libman
Russische Regionen

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Uwe Halbach
Religion und Nation, Kirche und Staat im Südkaukasus